Das Teide Observatorium bei Tag

Ein bekanntes Observatorium in unmittelbarer Nähe vom Urlaubsort lässt dem Papa keine Ruhe und nach einer kurzen Diskussion habe ich den Rest der Familie davon überzeugt das Teide Observatorium bei Tag zu besichtigen. Den Besuch buche ich einige Tage im voraus problemlos online, das Ticket lade ich mir für die Einlasskontrolle auf mein Handy.

Für die Anfahrt wählen wir die Route über die TF-24, d.h. die Anfahrt von St. Cruz. Im Verlauf von 30 Kilometern, und damit ist das Observatorium dann doch nicht so nah am Urlaubsort wie man meinen könnte 😉, überwinden wir die etwa 2000 Höhenmeter auf einer gut ausgebauten und (relativ) mäßig kurvigen Straße, die erst gegen Ende etwas steiler wird. Alles in allem überstehen die Kinder die Anfahrt zum Observatorium recht gut. Da wir bei Zeiten aufgebrochen sind und es so nicht besonders eilig haben nutzen wir die zahlreichen ausgeschilderten Aussichtspunkte für kurze Pausen; der Anblick der dort reichlich vorhandenen Gegend ist teilweise atemberaubend.

Blick von einem der Aussichtspunkte der TF-24 noch im Wald Richtung Teide. Die Wolkendecke an der Grenze der Inversionsschicht bei ungefähr 1500 m ist deutlich zu sehen.

Blick von einem der Aussichtspunkte der TF-24 noch im Wald Richtung Teide. Die Wolkendecke an der Grenze der Inversionsschicht bei ungefähr 1500 m ist deutlich zu sehen.

Ungefähr bei Kilometer 32 auf der TF-24 sehen wir dann auf der linken Seite die ersten Gebäude des Observatoriums. Nach weiteren 5 Kilometern biegen wir am Hinweisschild Richtung Berg Izaña und dem Observatorium ab. Eine weite Kurve führt um die Bergkuppe und wir sehen auf der linken Seite die Einfahrt zum Areal. Die Zufahrt ist mit einem Poller gesperrt, wir parken auf der linken Seite der Straße und warten darauf abgeholt zu werden.

Begrüßung am Eingang des Teide Observatoriums.

Begrüßung am Eingang des Teide Observatoriums.

Etwa 20 Minuten vor dem Beginn der Tour wird unsere Besuchergruppe von inzwischen ca. 20 Personen abgeholt. Die ganze Gruppe fährt im Konvoi auf das Gelände zum zentralen Parkplatz. Hinter uns fährt der Poller wieder hoch, d.h. wer zu spät kommt bleibt bei der Führung außen vor!

Nach einer kurzen Pause, in der u.a. Sonnenschirme verteilt werden, geht das Programm los. Wir werden von einem Guide und einer Dolmetscherin auf dem Teide-Observatorium begrüßt.

Der Guide erläutert jetzt kurz die Standortvorteile des Observatoriums: Zunächst wären da die klimatischen Vorzügen wie etwa trockene und ruhige Luft1. Weiterhin ein Gesetz zum Schutz der Beobachtungsqualität des Observatoriums, das Licht-, radioelektrische und Luftverschmutzung regele und das darüber hinaus auch eine Einschränkung des Flugverkehrs mit sich brächte. Schließlich entstünde, bedingt durch den Nord-Ost Passat, i.d.R. in etwa 1500 Metern Höhe eine stabile Inversionsschicht, die die Wolken und damit feuchte Luft nicht weiter aufsteigen lasse. Die so entstandene Wolkenschicht bilde dann einen natürlichen Schutz vor Lichtverschmutzung der städtischen Umgebung2.

Der Guide erklärt dies alles auf spanisch und die Dolmetscherin übersetzt – dieses Verfahrensweise bleibt so während der ganzen Führung.

Im weiteren erfahren wir mehr darüber wo welche Art von Teleskopen auf dem Gelände stehen. Nach ihrem Einsatzgebiet arrangiert fände sich je eine Gruppe von Sonnen-, Nacht-, und Mikrowellenteleskope über das Areal verteilt. Leider besichtigen keines der jetzt genannten Teleskope: GREGOR, MONS, THEMIS, Optical Ground Station (OGS), Vacuum Tower Telescope (VTT). In der Regel würden die Teleskope durch nicht spanische Organisation geplant und gebaut, im Gegenzug erhalte das Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) bis zu 20% Beobachtungszeit.

Fantastische Aussicht vom Gelände des Teide Observatorium mit Blick zum Vaccum Tower Telescope.

Fantastische Aussicht vom Gelände des Teide Observatorium mit Blick zum Vaccum Tower Telescope.

Nach dieser Einführung gehen wir in das Besucherzentrum des Observatoriums. In dieser ehemaligen und umgebauten Beobachtungskuppel wird uns nach einem kleinen Vortrag im wesentlich mit Hilfe von IMHO einfachen und verständlichen Experimenten der Vorteil aber auch die Grenzen von Multispektral-Beobachtungen erläutert.

Im Laufe des Workshops wurden interessante Experimente mit einer Infrarot-Kamera gezeigt.

Im Laufe des Workshops wurden interessante Experimente mit einer Infrarot-Kamera gezeigt.

Jetzt verlassen wir das Besucherzentrum und gehen zusammen auf einen kleinen Platz um die Sonne durch zwei unterschiedliche Teleskope zu beobachten. Mit einem Weißlichtfilter betrachte ich die Sonne zunächst durch ein Skywatcher 80 ED Pro Teleskop und einem Skywatcher 7-21 mm Zoom-Okular. Danach sehe ich mir zum Vergleich die Sonne im H-α mit einem LUNT LS100THa Teleskop (B1200 Blockfilter, Luftdruck-Tuning-System) und einem LUNT 7-22 mm Zoom-Okular an. Da die Sonne zur Zeit eher ruhig ist gibt es aber nicht viel zu sehen.

Wir gehen weiter zum Areal der Nachtteleskope und betreten die Beobachtungskuppel des Teleskop Carlos Sánchez (TCS). Das Teleskop füllt den Kuppelbau gut aus und ich bin von der Größe des Geräts beeindruckt3, der Hauptspiel hat einen Durchmesser von 1,55 m wirkt auf mich erstaunlich dünn (15-20 cm?). Ich erkenne das Leitrohr mit einer Kamera von The Imaging Source und freue mich über dieses amateurhafte Set Up 😉. Der Guide erläutert uns nun die durchaus interessante Geschichte des Teleskops. Das TCS würde als Infrarot-Teleskop eingesetzt und wäre auch heute noch eines der erfolgreichsten und meistgenutzten seiner Art. Es folgt jetzt eine kurze Beschreibung der IR-Kamera CAIN und des IR-Photometer FIN.

Im Anschluß werden wir zum Parkplatz begleitet und dies beschließt dann auch die Führung.

Zusammenfassend läßt sich sagen, dass die Familie den Besuch auf dem Observatorium sehr anregend und durchaus spannend fand. Ich persönlich hätte mir eine Besichtigung eines der großen Sonnenteleskope (GREGOR, THEMIS, VTT) im Betrieb gewünscht. Und ich hätte durchaus auch gerne deutlich mehr gefachsimpelt – was den Rahmen dieser Führung gesprengt hätte.

Literaturverzeichnis

Varela, A M; Muñz-Tuñón, C; de Gurtubai, A; u. a. (2002): „Site-testing results at the Teide Observatory“. In: Astronomical Site Evaluation in the Visible and Radio Range. ASP Conference Proceedings, Vol. 266., S. 454–464.

  1. Mittlere nutzbare Beobachtungszeit 78% im Sommer bei einem mittleren Seeing von 0,76″ (Varela 2002).
  2. Zum Nord-Ost Passat siehe auch hier.
  3. Das TCS ist ein f/13.8 Dall-Kirkham Cassegrain mit einer Brennweite von 21,03 Metern.

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