M31

M31 (NGC 224) ist eine Galaxie vom morphologischen Typ SA(s)b (Batcheldor 2013) im Sternbild Andromeda mit der Position Rektaszension 00h 42m 44s und Deklination +41d 16m 08s J2000.0 (Skrutskie 2006 VizieR VII/223). Aus ihrer Entfernung von knapp 2,5 Millionen Lichtjahre (Riess 2012 VizieR J/ApJ/745/156) und ihrer scheinbaren Größe von 185’ x 75’ (Kepple 1998) ergibt sich für die Galaxie eine Ausdehnung von etwa 132000 x 53000 Lichtjahren.

M31 mit M32 und M110 aufgenommen mit einem Takahashi FSQ-106 Refraktor und einer SBIG STL-11000M CCD Kamera. Norden ist links, Osten oben.

M31 mit M32 und M110 aufgenommen mit einem Takahashi FSQ-106 Refraktor und einer SBIG STL-11000M CCD Kamera. Norden ist links, Osten oben.

Ein Bild mit Anmerkungen findet sich hier.

Mit einer Helligkeit von 3,4 mag (Gil de Paz 2007 VizieR J/ApJS/173/185) und seiner immensen Größe von 185’ x 75’ (Kepple 1998) ist M31 recht einfach mit bloßem Auge sichtbar. Dem entsprechend stammt der erste schriftliche Bericht von der “kleinen Wolke” bereits aus dem Jahr 964 vom persischen Astronomen Abd-al-Rahman Al-Sufi (Al-Sufi 954).

Charles Messier nahm die Galaxie am 3. August 1764 in seinen Katalog auf: “Der schöne Nebel im Gürtel der Andromeda in Form einer Spindel; Herr Messier hat sie mit verschiedenen Instrumenten untersucht und hat in ihm keinerlei Stern erkannt. Er erinnert an zwei an ihrer Basis zusammengesetzten Hörner oder Pyramiden aus Licht, deren Achse in Richtung Nordwest nach Südost ausgerichtet ist; die zwei Lichtpunkte oder die zwei Gipfel sind 40′ voneinander entfernt; die Basis der beiden Pyramiden ist 15′ [lang]. Dieser Nebel wurde 1612 durch Simon Marius entdeckt und seitdem von verschiedenen Astronomen beobachtet. …”1 (Messier 1781).

John Louis Dreyer beschrieb NGC 225 in seinem New General Catalog: “Very much remarkable, most extremely bright, extremely large, very much extended”2. Zur Sternassoziation NGC 206 in M31 bemerkte er: “Very faint, very large, much extended towards 0°”3 (Dreyer 1888 VizieR VII/118).

Aufsuchkarte für M31. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 40° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Aufsuchkarte für M31. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 40° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Am 22.09.2017 beobachtete ich in Konstanz; NELM 6,11 mag; Himmel im Zenit 20,11 mag/☐”; Die Atmosphäre zeigt eine gute Transparenz bei leichter Schleierbewölkung: Der Mond ist um 00:15 UT mit 4% beleuchtet, befindet sich 46° unter dem Horizont und hat von M31 einen Abstand von 142°, er stört meine Beobachtung nicht. Ich sehe M31, mit meiner an meine Nachtmyopie angepassten Brille, mit bloßem Auge. Mit meinem TS ED 100/600 Refraktor und meinem Widescan Typ III 13mm Okular (46x Vergrößerung; 1.8° Gesichtsfeld) erkenne ich einen riesigen spindelförmigen Nebel mit recht schwach ausgeprägte Ausläufer, zum Zentrum wird der Nebel allerdings sehr schnell sehr hell. In einigen Momenten glaube ich im zentralen Bereich des Nebels, Strukturen zu erkennen. M31 ist von Nordost nach Südwest ausgerichtet. Die Größe schätze ich auf 1° x 0,25° (→ vollständiger Beobachtungsbericht).

Am 30.08.2017 beobachtete ich in Konstanz; NELM 6,06 mag; Himmel im Zenit 20,01 mag/☐”; Gute Transparenz bei leichtem Hochnebel: Der Mond ist um 01:30 UT mit 57% beleuchtet, befindet sich 30° unter dem Horizont und hat von M31 einen Abstand von 122°, er stört meine Beobachtung nicht. Ich sehe M31, mit meiner an meine Nachtmyopie angepassten Brille, mit bloßem Auge. Mit meinem Olympus 10×50 DPS I Fernglas sehe ich M31 im Gesichtsfeld zusammen mit ν And. Ich erkenne einen Nebel in Form einer Spindel. Er ist in weiten Teilen eher schwach ausgeprägt wird aber im Zentrum sehr schnell sehr hell. M31 ist von Nordost nach Südwest ausgerichtet. Die Größe schätze ich auf 2,5° x 0,25° (→ vollständiger Beobachtungsbericht).

Die grundsätzlich Natur von M31 wurde erst Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geklärt. So erkannte William Huggins 1864, dass M31 nicht das Linienspektrum eines gasförmigen Nebels sondern ein kontinuierliches Sternenspektrum zeigt. Vesto Slipher maß im Jahr 1914 die Radialgeschwindigkeit von M31 (Slipher 1914) und stellte fest, dass sich sich der Nebel unserem Sonnensystem mit 300 km/s nähert. Dies war zu diesem Zeitpunkt der höchste jemals gemessene Wert für eine Radialgeschwindigkeit und deutete bereits die extragalaktische Natur des Objekts an. Der heutige Wert für die Annäherung von M31 an die Milchstraße beträgt übrigens etwa 100 km/s – Slipher berücksichtigte damals naturgemäß nicht die Rotation der Sonne um das Zentrum der Milchstraße. Und Edwin Hubble schließlich fand im Jahr 1923 den ersten variablen Stern vom Cephiden-Typ in M31 (Hubble 1929). Mit der bekannten Perioden-Leuchtkraft-Beziehung dieser Art veränderlicher Sterne (Leavitt 1912) bestimmte er die Entfernung zu M31 und klärt damit die wahre Natur des Nebels als eigenständige Galaxie außerhalb der Milchstraße.

M31 ist die größte Galaxie der Lokalen Gruppe, eine Ansammlung gravitativ gebundener Galaxien, von der zur Zeit etwa 70 Mitgliedern bekannt sind. Auch unsere Milchstraße gehört dazu, sie ist nach M31 die zweitgrößte Angehörige dieser Gruppe. Die Mitglieder der Lokalen Gruppe sind nicht gleichmäßig im Haufen verteilt sondern bilden ihrerseits gravitativ gebundene Subgruppen. Zur Andromeda-Subgruppe gehören dabei M31, M32, M33, M110, die Zwerggalaxien And I bis And XXIX, NGC 147, NGC 185, IC 10 und die Pisces-Zwerggalaxie.

Die Verteilung von Galaxien der Lokalen Gruppen am Himmel. Die Milchstraßen-, M31- und NGC 3109-Subgruppen sind farblich hervorgehoben.

Anmerkung

Für die Recherche zu M31 nutzte ich unter anderem sowohl die SIMBAD Datenbank beim CDS, Straßburg, Frankreich (Wenger 2000) als auch die VizieR Datenbank ebenfalls beim CDS.

Aufsuchkarte mit freundlicher Genehmigung von Starry Night www.starrynight.com.

Links

M31 @ NED

M31 @ SEDS

M31 @ SIMBAD

Literaturverzeichnis

Al-Sufi, Abd Al-Rahman (964): Book of Fixed Stars. o.V.

Batcheldor, D; Axon, D J; Valluri, M; u. a. (2013): „A STIS Atlas of CaII Triplet Absorption Line Kinematics in Galactic Nuclei“. DOI: 10.1088/0004-6256/146/3/67.

Dreyer, John Louis Emil (1888): A New General Catalogue of Nebulæ and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John FW Herschel, Bart, revised, corrected, and enlarged. Memoirs of the Royal Astronomical ….

Frommert, H; Kronberg, C (2007): „Messier 31“. messier.seds.org. Abgerufen am 27.08.2017 von http://www.messier.seds.org/m/m031.html.

Gil de Paz, Armando; Boissier, Samuel; Madore, Barry F; u. a. (2007): „The GALEX Ultraviolet Atlas of Nearby Galaxies“. In: The Astrophysical Journal Supplement Series. IOP Publishing 173 (2), S. 185–255, DOI: 10.1086/516636.

Hubble, E P (1929): „A spiral nebula as a stellar system, Messier 31.“. In: The Astrophysical Journal. 69, S. 103, DOI: 10.1086/143167.

Huggins, William; Miller, W A (1864): „On the Spectra of Some of the Nebulae. By William Huggins, F.R.A.S. A Supplement to the Paper „On the Spectra of Some of the Fixed Stars William Huggins F.R.A.S., and W. A. Miller, M.D., LL.D., Treas. and V.P.P.S.““. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London Series I. 154, S. 437–444.

Leavitt, Henrietta S; Pickering, Edward C (1912): „Periods of 25 Variable Stars in the Small Magellanic Cloud.“. In: Harvard College Observatory Circular. 173, S. 1–3.

Kepple, G R; Sanner, G W (1998): The Night Sky Observers Guide. Richmond, Virginia: Willmann-Bell, Inc.

Messier, Charles (1781): „Catalogue des Nébuleuses & des amas d’Étoiles“. In: Connoissance des Temps. S. 227–267.

Riess, Adam G; Fliri, Jürgen; Valls-Gabaud, David (2012): „Cepheid Period-Luminosity Relations in the Near-Infrared and the Distance to M31 From the Hubble Space Telescope Wide Field Camera 3“. In: The Astrophysical Journal. 745 (2), S. 156, DOI: 10.1088/0004-637X/745/2/156.

Slipher, V M (1914): „The Detection of Nebular Rotation“. In: Lowell Observatory Bulletin. 62, S. 66–66.

Skrutskie, M F; Cutri, R M; Stiening, R; u. a. (2006): „The Two Micron All Sky Survey (2MASS)“. In: The Astronomical Journal. 131 (2), S. 1163–1183.

  1. Le belle nébuleuse de la ceinture d’Andromède, en form de fuseau; M. Messier l’a examininée avec différens instruments, & il n’y a reconnu aucune étoile: elle ressemble à deux cônes ou pyramides de lumière opposés par leur base, dont l’axe est dans la direction du Nord-ouest au Sud-est; les deux pointes de lumières ou les deux sommets étoient à peu-près éloignés l’un de l’autre de 40 minutes de degré; la base commune des deux pyramides de 15 minutes. Cette nébuleuse fut découverte en 1612, par Simon Marius, & observée ensuite par différens Astronomes. …
  2. !!! eeB, eL, vmE (Andromeda); = M31
  3. vF, vL, mE 0deg ↩︎