M42

M42 (NGC 1976) ist ein Emmissions- und Reflektionsnebel im Sternbild Orion an der Position ICRS Rektaszension 05h 35m 17s und Deklination -05d 23m 28s J2000.0 (Large 1981). Bei einer Entfernung von lediglich 1630 Lichtjahren (Quireza 2006) und einer scheinbaren Ausdehnung von 65 arcmin x 60 arcmin (Kepple 1998) erstreckt sich M42 über 31 Lichtjahre x 28 Lichtjahre.

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Norden ist links oben, Osten links unten.

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Norden ist links oben, Osten links unten.

Die erste dokumentierte Beobachtung des Nebels stammt von Nicholas-Claude Fabri de Peiresc, der diese am 26. November 1610 festhielt: ”In der Mitte des Orion … ”1 (Bigourdan 1916). Obwohl M42 problemlos mit bloßem Auge sichtbar ist gibt es erstaunlicher Weise keinen früheren Beobachtungsbericht.

Im Februar 1617 erstellte Galileo Galilei eine Zeichnung einer Sternengruppe im Kernbereich von M42 (Siebert 2005) von unter anderem θ1 Ori A, C und D – den Nebel selbst erwähnte er nicht.

Charles Messier beobachtete M42 am 4. März 1769 und notierte: “Die Position des schönen Nebels im Schwert des Orion wurde mittels des Sterns θ bestimmt, [der Nebel] beinhaltet auch drei weiter Sterne, die man aber nur mit guten Instrumenten sieht. Herr Messier ist sehr im Detail auf diesen großartigen Nebel eingegangen; er hat eine Zeichnung zur Verfügung gestellt, die er mit großer Sorgfalt erstellte. Sie kann in Mémoires de l’Académie, 1771, Tafel VIII betrachtet werden. Es war Huygens, der ihn 1656 entdeckte, er wurde seitdem von einer großen Anzahl von Astronomen beobachtet”2 (Messier 1781).

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Norden ist links oben, Osten links unten.

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Norden ist links oben, Osten links unten.

John Louis Dreyer beschrieb NGC 1976 kurz und knapp in seinem New General Catalog: “Magnificent, θ1 Ori and the great nebula”3 (Dreyer 1888 VizieR VII/118).

Aufsuchkarte für M42. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 34° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Aufsuchkarte für M42. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 34° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Am 23.11.2017 beobachtete ich in Konstanz; NELM 6,29 mag; Himmel im Zenit 20,24 mag/☐”; Die Atmosphäre zeigt eine gute Transparenz bei leichter Schleierbewölkung: Der Mond ist um 02:45 UT mit 18% beleuchtet, befindet sich 61° unter dem Horizont und hat von M42 einen Abstand von 142°, er stört meine Beobachtung nicht. Ich sehe M42, mit meiner an meine Nachtmyopie angepassten Brille, mit bloßem Auge. Mit meinem Olympus DPS I 10×50 Fernglas sehe ich M42 einfach und deutlich als runden Nebel mit einem Durchmesser von ungefähr4 0’. Der Nebel ist nicht gut begrenzt, seine Helligkeit verläuft sich sehr langsam im Hintergrund. Im mittleren nördlichen Bereich sehe ich sehr hell θ1 und θ2. Sieht ein bisschen aus wie ein kleines Plüschmonster mit zwei hellen leuchtenden Augen ☺ (→ vollständiger Beobachtungsbericht).

M42 wird durch die Sterne des Trapez (= θ1 Ori) zum Leuchten angeregt. Dieser offene (Trapezium-)Sternhaufen entstanden erst vor 1 bis 2,5 Millionen Jahre (Simón-Díaz 2006) und ist Teil des größeren Orionnebel-Haufens (ONC), der aus etwa 2000 Sternen, verteilt über lediglich 20 Lichtjahre, besteht (Da Rio 2014).

In einem Radius von 30 arcmin um das Zentrum von M42 herum finden sich 357 Doppelsterne (Mason 2014 VizieR WDS) …

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Doppelsterne sind durch ein rotes Kreuz markiert. Norden ist links oben, Osten links unten.

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Doppelsterne sind durch ein rotes Kreuz markiert. Norden ist links oben, Osten links unten.

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Veränderliche Sterne sind durch ein rotes Kreuz markiert. Norden ist links oben, Osten links unten.

M42 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Veränderliche Sterne sind durch ein rotes Kreuz markiert. Norden ist links oben, Osten links unten.

… und 1047(!) veränderliche Sterne (Samus 2009 VizieR GCVS).

Anmerkung

Für die Recherche zu M42 nutzte ich unter anderem sowohl die SIMBAD Datenbank beim CDS, Straßburg, Frankreich (Wenger 2000) als auch die VizieR Datenbank ebenfalls beim CDS.

Links

M42 @ NED
M42 @ SEDS
M42 @ SIMBAD

Literaturverzeichnis

Bigourdan, G (1916): „La découverte de la nébuleuse d’Orion (NGC 1976) par Peiresc“. In: Comptes rendus de lAcadémie des sciences. 162, S. 489–490.

Da Rio, N; Tan, J C; Jaehnig, K (2014): „The Structure, Dynamics, and Star Formation Rate of the Orion Nebula Cluster“. In: The Astrophysical Journal. 795 (1), S. 55, DOI: 10.1088/0004-637X/795/1/55.

Dreyer, J L E (1888): A New General Catalogue of Nebulæ and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John FW Herschel, Bart, revised, corrected, and enlarged. Memoirs of the Royal Astronomical ….

Kepple, G R; Sanner, G W (1998): The Night Sky Observers Guide. Richmond, Virginia: Willmann-Bell, Inc.

Large, M I; Mills, B Y; Little, A G; u. a. (1981): „The Molonglo Reference Catalogue of Radio Sources“. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. 194 (3), S. 693–704, DOI: 10.1093/mnras/194.3.693.

Mason, B D; Wycoff, G L; Hartkopf, W I; u. a. (2014): „The Washington Visual Double Star Catalog (Mason+ 2001-2014)“. In: VizieR On-line Data Catalog.

Messier, C (1781): „Catalogue des Nébuleuses & des amas d’Étoiles“. In: Connoissance des Temps. S. 227–267.

Quireza, C; Rood, R T; Bania, T M; u. a. (2006): „The Electron Temperature Gradient in the Galactic Disk“. In: The Astrophysical Journal. IOP Publishing 653 (2), S. 1226–1240, DOI: 10.1086/508803.

Samus, N N; Durlevich, O V (2009): „General Catalogue of Variable Stars (Samus+ 2007-2013)“. In: VizieR On-line Data Catalog.

Siebert, H (2005): „The Early Search for Stellar Parallax: Galileo, Castelli, and Ramponi – Harald Siebert, 2005“. In: Journal for the History of Astronomy. 36 (3), S. 251–271, DOI: 10.1177/002182860503600301;pageGroup:string:Publication.

Simón-Díaz, S; Herrero, A; Esteban, C; u. a. (2006): „Detailed spectroscopic analysis of the Trapezium cluster stars inside the Orion nebula – Rotational velocities, stellar parameters, and oxygen abundances“. In: Astronomy and Astrophysics. EDP Sciences 448 (1), S. 351–366, DOI: 10.1051/0004-6361:20053066.

Wenger, M; Ochsenbein, F; Egret, D; u. a. (2000): „The SIMBAD astronomical database. The CDS reference database for astronomical objects“. In: Astronomy and Astrophysics Supplement. EDP Sciences 143 (1), S. 9–22, DOI: 10.1051/aas:2000332.

  1. In Orione media …. Ex duabis stellis composita nubecula quandam illuminata prima fronte referebat coelo non oio sereno.
  2. Position de la belle nébuleuse de l’épée d’Orion, par l’étoile θ qui y est contenue avec trois autres étoiles plus petites qu’on ne peut voir qu’avec de bons instruments. M. Messier est entré dans de grands détails sur cette grande nébuleuse; il en donné un dessin, fait avec le plus grand soin, qu’on peut voir dans les Mémoires de l’Académie, année 1771, planche VIII. Ce fut Huygens qui la découvrit en 1656; elle a été observée depuis par un grand nombre d’Astronomes.
  3. !!! theta1 Ori and the great neb