M27

M27 (NGC 6853) ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Vulpecula mit der Position Rektaszension 19h 59m 36s und Deklination +22d 43m 16s J2000.0 (Skrutskie 2006). Seine Entfernung von uns beträgt 870 Lichtjahre (Gianninas 2011) wobei zu beachten ist, dass die Entfernung zu dieser Art von Objekten notorisch schlecht bestimmbar ist (Gathier 1983). Mit einer scheinbaren Ausdehnung von etwa 8’ x 5’ ergibt sich so eine Größe von doch immerhin 2,0 x 1,2 Lichtjahre.

M27 aufgenommen mit einem Takahashi TOA-150 Refraktor und einer Finger Lake Instrumentation FLI-ML8300c CCD Kamera. Norden ist links oben, Osten links unten.

Ein Bild mit Anmerkungen findet sich hier.

Charles Messier entdeckte den Nebel am 12. Juli 1764 und notierte: “Nebel ohne Sterne, entdeckt im Fuchs (Vulpecula), zwischen den beiden Vorderpfoten, sehr nahe dem Stern 14 dieses Sternbilds, 5ter Größenklasse nach Flamsteed, man kann ihn gut mit einem gewöhnlichen Fernrohr von 3,5 Fuß (Brennweite) sehen, er erscheint oval und enthält keine Sterne …” 1 (Messier 1781).

John Louis Dreyer schließlich vermerkte in seinem New General Catalog, NGC 6853: “Magnificient, very bright, very large, binuclear, irregularly extended (Dumbbell)” 2 (Dreyer 1888 VizieR VII/118).

Aufsuchkarte für M27. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 40° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Am 17.08.2017 beobachtete ich in Konstanz; NELM 5,96 mag; Himmel im Zenit 19,81 mag/☐”; Gute Transparenz bei leichtem Hochnebel: Der Mond ist um 21:17 UT mit 19% beleuchtet, befindet sich 20° unter dem Horizont und hat von M27 einen Abstand von 131°, er stört meine Beobachtung nicht. Ich finde den planetaren Nebel mit manuellem GoTo meiner AYOdigi Montierung. Mit meinem TS Individual 152/900 Refraktor und meinem Kasai Ortho 9mm (100x Vergrößerung; 27′ Gesichtsfeld) erkenne ich auch ohne Filter sehr deutlich seine Hantelform. Mit O III Filter erhöht sich der Kontrast allerdings beträchtlich und ich kann bei indirektem Sehen Strukturen im Nebel erkennen. Seine Größe schätze ich auf 10′ x 5′  (→ vollständiger Beobachtungsbericht).

Wie für planetarische Nebel üblich sendet M27 kein kontinuierliches Spektrum aus sondern emittiert die meiste Energie in den Emissionslinien der Wellenlänge 495,9 und 500,7 nm ([O III]) (Bowen 1927). Nimmt man die Hβ-Linie als Referenz ist bei M27 die Intensität der beiden [O III] Linien zusammengenommen um das ungefähr das 13-fache höher (Sabbadin 1997). So erklärt sich denn auch der Kontrast steigernde Effekt von O III Filtern bei der visuellen Beobachtung von planetarischen Nebeln.

Eine spektroskopische Untersuchung zeigte, dass das Licht des Nebels von drei expandierenden Hüllen ausgesandt wird, dabei bewegt sich die innerste am langsamsten und die äußerste am schnellsten vom Zentrum weg. Ausgehend von der Ausbreitungsgeschwindigkeit der äußersten und schnellsten Hülle ergibt sich ein Mindestalter von 9000 Jahren für den Nebel (Meaburn 2005). Der Zentralstern von M27 ist ein weißer Zwerg mit einer Helligkeit von 13.99 mag (Harris 2007) und einer Oberflächentemperatur von etwa 100000 K (Napiwotzki 1995). Sehr wahrscheinlich hat er einem Begleiter mit einer Helligkeit von 17 mag, einem Abstand von 6,5” und einem Positionswinkel von 214° (Cudworth 1973).

Da die Wellenlänge der beiden [O III] Linien (495,9 und 500,7 nm) sehr nahe beim Maximum der Empfindlichkeit des menschlichen Auge beim skotopischen Sehen mit 505 nm liegt (Crawford 1949) erscheinen planetarische Nebel visuell sehr viel heller als es der Wert für die fotographische Helligkeit vermuten lassen könnte.

Anmerkung

Für die Recherche zu M27 nutzte ich unter anderem sowohl die SIMBAD Datenbank beim CDS, Straßburg, Frankreich (Wenger 2000) als auch die VizieR Datenbank ebenfalls beim CDS.

Aufsuchkarte mit freundlicher Genehmigung von Starry Night www.starrynight.com.

Links

M27 @ NED

M27 @ SEDS

M27 @ SIMBAD

Literaturverzeichnis

Bowen, Ira Sprague (1927): „The Origin of the Nebulium Spectrum“. In: Nature. 120 (3022), S. 473, DOI: 10.1038/120473a0.

Crawford, B H (1949): „The Scotopic Visibility Function“. In: IOP Publishing, S. 321–334, DOI: 10.1088/0370-1301/62/5/305.

Cudworth, Kyle M (1973): „Visual Binaries in Planetary Nebulae“. In: Publications of the Astronomical Society of the Pacific. 85, S. 401, DOI: 10.1086/129475.

Dreyer, John Louis (1888): A New General Catalogue of Nebulæ and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John FW Herschel, Bart, revised, corrected, and enlarged. Memoirs of the Royal Astronomical ….

Gathier, R (1983): „Distances to Planetary Nebulae“. In: The Messenger. 32, S. 20–22.

Gianninas, A; Bergeron, P; Ruiz, M T (2011): „A Spectroscopic Survey and Analysis of Bright, Hydrogen-rich White Dwarfs“. In: The Astrophysical Journal. 743 (2), S. 138, DOI: 10.1088/0004-637X/743/2/138.

Harris, Hugh C; Dahn, Conard C; Canzian, Blaise; u. a. (2007): „Trigonometric Parallaxes of Central Stars of Planetary Nebulae“. In: The Astronomical Journal. IOP Publishing 133 (2), S. 631–638, DOI: 10.1086/510348.

Meaburn, J; Boumis, P; Christopoulou, P E; u. a. (2005): „The global kinematics of the Dumbbell planetary nebula (NGC 6853, M27, PN G060.8-03.6)“. In:.

Messier, Charles (1781): „Catalogue des Nébuleuses & des amas d’Étoiles“. In: Connoissance des Temps. S. 227–267.

Napiwotzki, R; Schoenberner, D (1995): „Spectroscopic investigation of old planetaries. III. Spectral types, magnitudes, and distances.“. In: Astronomy and Astrophysics. 301, S. 545–558.

Sabbadin, F (1977): „Spectroscopic observations of the planetary nebula NGC 6853.“. In: Astronomy and Astrophysics. 57, S. 307–308.

Skrutskie, M F; Cutri, R M; Stiening, R; u. a. (2006): „The Two Micron All Sky Survey (2MASS)“. In: The Astronomical Journal. 131 (2), S. 1163–1183.

Wenger, M; Ochsenbein, F; Egret, D; u. a. (2000): „The SIMBAD astronomical database. The CDS reference database for astronomical objects“. In: Astronomy and Astrophysics Supplement. EDP Sciences 143 (1), S. 9–22, DOI: 10.1051/aas:2000332.

Notes:

  1. Nebéuleuse sans etoile, découverte dans le Renard, êntre les deux pattes de devant, & très-près de l’étoile 14.e de cette constellation, 5.e grandeur du Flamsteed; on la voit bien avec une lunette ordinaire de 3 pieds & demi; elle paroît une forme oval & ne contient aucune etoile …
  2. !!!, vB, vL, biN, iE (Dumbbell)