M8

M8 (NGC 6523) ist ein H II Emissions-/Reflektionsnebel im Sternbild Schütze mit der Position Rektaszension 18h 03m 37s und Deklination -24d 23m 12s J2000.0. Die Entfernung zu M8 beträgt 4310 Lichtjahre (Kharchenko 2005) und bei einer scheinbaren Ausdehnung von 80’ x 40’ (Burnham 1978) erstreckt er sich über 100 x 50 Lichtjahre.

M8 aufgenommen mit einem Takahashi FSQ-106 ED Refraktor und einer SBIG STL-11000M CCD Kamera. Norden ist oben, Osten links.

Ein Bild mit Anmerkungen findet sich hier.

Der historisch erste Bericht stammt von Giovanni Hodierna aus dem Jahr 1654 (Hodierna 1654).

Charles Messier entdeckte das Objekt am 23. May 1764 und notierte: “Sternhaufen, der in einer nebulösen Form erscheint wenn man ihn mit einem gewöhnlichen Teleskop von 3 Fuß [Brennweite] betrachtet; aber mit einem ausgezeichneten Instrument sieht man nichts als eine große Anzahl kleiner [schwacher] Sterne; in der Nähe dieser Anhäufung ist ein recht glänzender Stern umgeben mit einem sehr schwachen Licht; dies ist der neunte Stern des Schützen von siebenter Größe nach Flamsteed; die Anhäufung erscheint unter einer länglichen Form, die sich von Nord-Ost nach Nord-West ausdehnt, zwischen dem Boden des Schützen und dem rechten Fuß des Schlangenträgers” 1 (Messier 1781).

William Herschel beobachtet das Objekt am 22 Mai 1784: “[…] L. E. pB” 2. The nebulosity of the milky kind, there are some pB [pretty Bright] stars in it, but they seem to have no connection with it, being of very different sizes and colours and resembling the other stars that are everywhere scattered about in this neighborhood. This is probably the star surrounded with nebulosity mentioned by Messier. There is indeed one of the stars which are in the nebula that is somewhat larger than the rest and may be the only one he saw […]” (Herschel 2009).

John Louis Dreyer schließlich vermerkte in seinem New General Catalog, NGC 6523: “Magnificient, very bright, extremely large, extremely irregular figure, with large cluster” 3 (Dreyer 1888 VizieR VII/118).

Aufsuchkarte für M8. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 40° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Mit seiner immensen Größe von 80’ x 40’, die etwa der 3,5-fachen Fläche des Vollmond entspricht, und einer visuellen Helligkeit von 5 mag (Burnham 1978) ist M8 ein sehr schönes Objekt für kurzbrennweitige Teleskop mit einem großen Sichtfeld und gerade auch für Ferngläser.

Am 10.09.2015 beobachtete ich in Menzenschwand (Schwarzwald); Gute Transparenz: Der Mond ist um 20:00 UT mit 6% beleuchtet, steht 27° unterhalb des Horizont und hat von M8 einen Abstand von 130°. Mit meinem Olympus 10×50 DPS I sehe ich M8 als eine waagrechte Kette von 4 hellen nebligen Knoten von ca. 1° Länge. M8 steht lediglich 14° über dem Horizont und ist zusammen mit M20, M21 und Tannenwipfeln im Sichtfeld zu sehen – ein atemberaubender Anblick.

Neben der auffälligen Strukturierung des Nebels stechen an verschiedenen Stellen kleine dunkle Gebiete in M8 heraus. Diese Bok Globulen (Bok 1947) sind Gebiete aus sich verdichtendem interstellarem Staub in denen vor allem Doppel- und Mehrfachsternsysteme entstehen (Launhardt 2000). Einige dieser Dunkelgebiete in M8 nahm Barnard als B88, B89 und B296 in seinen Katalog auf (Barnard 1927).

Der Stundenglasnebel (im Zentrum des Bildes) in M8 mit dem zentralen Stern Herschel 36. Aufgenommen mit einem Takahashi FSQ 106 ED Refraktor und einer SBIG STL-11000M CCD Kamera. Norden ist oben, Osten links.

Bestandteil des hellsten Bereichs von M8 ist der Stundenglasnebel. In ihm wurden vier Herbig-Haro Objekte nachgewiesen, eines davon im Zentrum des Stundenglasnebels ist der erste direkte Beweis für Sternbildung durch Akkretion in diesem Bereich (Arias 2006).

Etwa 10’ westlich des Stundenglasnebels befindet sich der sehr junge offene Sternhaufen NGC 6530, der sich aus der Molekülwolke von M8 bildete (Lada 1976).

Anmerkung

Für die Recherche zu M8 nutzte ich unter anderem sowohl die SIMBAD Datenbank beim CDS, Straßburg, Frankreich (Wenger 2000) als auch die VizieR Datenbank ebenfalls beim CDS.

Aufsuchkarte mit freundlicher Genehmigung von Starry Night www.starrynight.com.

Links

M8 @ NED
M8 @ SEDS
M8 @ SIMBAD
NGC 6530 @ WEBDA

Literaturverzeichnis

Arias, J I; Barbá, R H; Maíz Apellániz, J; u. a. (2006): „The infrared Hourglass cluster in M8“. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. 366 (3), S. 739–757, DOI: 10.1111/j.1365-2966.2005.09829.x.

Barnard, Edward E (1927): „Catalogue of 349 dark objects in the sky“. In: Chicago: University of Chicago Press, 1927. Chicago: University of Chicago Press.

Bok, Bart J; Reilly, Edith F (1947): „Small Dark Nebulae.“. In: The Astrophysical Journal. 105, S. 255, DOI: 10.1086/144901.

Burnham, R, Jr (1978): Burnham’s Celestial Handbook Vol. III. Revised and Enlarged. New York: Dover Publications, Inc. — ISBN: 0-486-23673-0

Dreyer, JLE (1888): A New General Catalogue of Nebulæ and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John FW Herschel, Bart, revised, corrected, and enlarged. Memoirs of the Royal Astronomical ….

Herschel, William; Dreyer, John Louis Emil (Hrsg.) (2009): The Scientific Papers of Sir William Herschel. Cambridge: Cambridge University Press, DOI: 10.1017/CBO9781139649650. — ISBN: 9781139649650

Hodierna, Giovanni Battista (1654): De systemate orbis cometici, deque admirandis coeli characteribus. Palermo.

Kharchenko, N V; Piskunov, A E; Röser, S; u. a. (2005): „Astrophysical parameters of Galactic open clusters“. In: Astronomy and Astrophysics. EDP Sciences 438 (3), S. 1163–1173, DOI: 10.1051/0004-6361:20042523.

Lada, C J; Gottlieb, C A; Gottlieb, E W; u. a. (1976): „Optical and millimeter-wave observations of the M8 region“. In: The Astrophysical Journal. 203, S. 159, DOI: 10.1086/154058.

Launhardt, R; Sargent, A I; Henning, Th; u. a. (2000): „Binary and multiple star formation in Bok globules“. In: IAU Symposium. 200, S. 103.

Messier, Charles (1781): „Catalogue des Nébuleuses & des amas d’Étoiles“. In: Connoissance des Temps. S. 227–267.

Wenger, M; Ochsenbein, F; Egret, D; u. a. (2000): „The SIMBAD astronomical database. The CDS reference database for astronomical objects“. In: Astronomy and Astrophysics Supplement. EDP Sciences 143 (1), S. 9–22, DOI: 10.1051/aas:2000332.

Notes:

  1. Amas d’étoiles qui paroît sous la form nébuleuse en regardant avec une lunette ordinaire de trois pieds; mais avec un excellent instrument on n’y remarque qu’une grande quantité de petites étoiles; auprès cet amas est une étoile assez brillant, environée d’une lumière très-faible; c’est la neuvième étoile de Sagittaire, de septième grandeur, suivant Flamsteed; cet amas paroît sous la forme alongée qui s’étend du Nord-est au Soud-ouest, entre l’arc du Sagittaire & le pied droit d’Ophiucus
  2. Large, Extended, pretty Bright
  3. !!! vB, eL, eiF, with L Cl