M4

M4 (NGC 6121) ist ein Kugelsternhaufen im Sternbild Skorpion mit der Position Rektaszension 16h 23m 35s und Deklination -26d 31m 33s J2000.0 (Goldsbury 2010). Aus seiner Entfernung von knapp 7200 Lichtjahre (Harris 1996 VizieR VII/202) und seiner scheinbaren Größe von 26,2 arcmin (Kepple 1998) ergibt sich für den Kugelsternhaufen ein Durchmesser von etwa 55 Lichtjahren.

M4 aufgenommen mit einem Takahashi Epsilon 250 Teleskop und einer SBIG ST-10XME Kamera. Norden ist oben, Osten links.

Ein Bild mit Anmerkungen findet sich hier.

Der Kugelsternhaufen wurde von de Chéseaux etwa im Jahr 1746 entdeckt (Frommert 2000).

Charles Messier notierte am 8. Mai 1764 zu diesem Sternhaufen: “Eine Ansammlung von sehr kleinen (schwachen) Sternen; mit einem minderwertigen Teleskop sieht man ihn als neblige Form; diese Sternenansammlung befindet sich nahe Antares …” 1 (Messier 1781).

John Louis Dreyer beschrieb NGC 6121 in seinem New General Catalog: “Cluster, 8 or 10 bright star lines with 5 stars, well resolved, clearly consisting of stars; = M4″ 2 (Dreyer 1888 VizieR VII/118).

William Herschel bemerkte als erster eine balkenförmige Struktur aus 8 oder 10 Sternen, die sich von Südwest durch das Zentrum nach Nordost durch den Sternhaufen zieht “… It contains a ridge of stars running through the middle from south preceding [Südwest] to north following [Nordost]. The ridge contains 8 or 10 pretty bright stars …” (Herschel 1814).

Aufsuchkarte für M4. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 40° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Am 31.07.2017 beobachtete ich in Güimar (Teneriffa); NELM 4,97 mag; Himmel im Zenit 17,83 mag/☐”; Gute Transparenz bei leichtem Hochnebel: Der Mond ist um 22:37 UT mit 62% beleuchtet, steht 40° über dem Horizont und hat von M4 einen Abstand von 19°. Den Kugelsternhaufen finde ich 1° westlich von α Sco. Mit dem William Optics Megrez 80 II Refraktor und dem Widescan III 13mm Okular (39x Vergrößerung; 2,2° Gesichtsfeld) erkenne ich den Sternhaufen recht einfach kann ihn aber nicht auflösen. Ich sehe einen runden Nebel mit einem Durchmesser von etwa 10′, bei indirektem Sehen bemerke ich eine körnige Textur. Etwa 20′ nördlich des Zentrums von M4 sehe ich eine auffällige Kette von 5 Sternen in Form einer (halben) Parabel (→ vollständiger Beobachtungsbericht).

Im Jahr 1987 entdeckte Brinklow in M4 den Pulsar PSR1620–26 mit einer Periode von 11 ms (Brinklow 1988).

Mit Hilfe des Hubble Space Telescope konnte Richer insgesamt 258 Weisse Zwerge in M4 identifizieren (Richer 1998).

Im Gegensatz zu den offenen Sternhaufen sind die bekannten Kugelsternhaufen der Milchstrasse relativ weiträumig in unserer Galaxie verteilt (siehe hier) (Harris 1996 VizieR VII/202).

Die Position vom M4 (rot) innerhalb der Milchstrasse. Sonne (gelb), Zentrum der Milchstraße (schwarz), andere Kugelsternhaufen (blau). Die Milchstraße wird durch einen erweiterten Kreis mit einem Durchmesser von 30 kpc angedeutet. Die x-Achse zeigt Richtung des Zentrum und die y-Achse in Richtung der Rotation der Milchstraße, die z-Achse weist auf den galaktischen Nordpol.

In unmittelbarer Nähe von M4 findet sich ein Doppelstern (Mason 2014 VizieR WDS) …

M4 aufgenommen mit einem Takahashi Epsilon 250 Teleskop und einer SBIG ST-10XME Kamera. Der Doppelstern ist rot markiert. Norden ist oben, Osten links.

M4 aufgenommen mit einem Takahashi Epsilon 250 Teleskop und einer SBIG ST-10XME Kamera. Veränderliche Sterne sind rot markiert. Norden ist oben, Osten links.

… und zwei veränderliche Sterne (Samus 2009 VizieR GCVS).

Anmerkung

Für die Recherche zu M4 nutzte ich unter anderem sowohl die SIMBAD Datenbank beim CDS, Straßburg, Frankreich (Wenger 2000) als auch die VizieR Datenbank ebenfalls beim CDS.

Links

M4 @ Galactic Globular Clusters Database
M4 @ NED
M4 @ SEDS
M4 @ SIMBAD

Literaturverzeichnis

Brinklow, A; Lyne, A G; Biggs, J D; u. a. (1987): „Millisecond Pulsar in M4“. In: International Astronomical Union Circular. 4470.

Dreyer, John Louis Emil (1888): A New General Catalogue of Nebulæ and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John FW Herschel, Bart, revised, corrected, and enlarged. Memoirs of the Royal Astronomical ….

Frommert, H; Kronberg, C (2000): „De Chéseaux’s List of 21 ‚Nebulae‘“. SEDS. Abgerufen am 20.03.2017 von http://messier.seds.org/xtra/similar/deches.html.

Goldsbury, Ryan; Richer, Harvey B; Anderson, Jay; u. a. (2010): „The ACS Survey of Galactic Globular Clusters. X. New Determinations of Centers for 65 Clusters“. In: The Astronomical Journal. 140 (6), S. 1830–1837, DOI: 10.1088/0004-6256/140/6/1830.

Harris, William E (1996): „A Catalog of Parameters for Globular Clusters in the Milky Way“. In: Astronomical Journal. 112, S. 1487, DOI: 10.1086/118116.

Kepple, G R; Sanner, G W (1998): The Night Sky Observers Guide. Richmond, Virginia: Willmann-Bell, Inc.

Mason, B D; Wycoff, G L; Hartkopf, W I; u. a. (2014): „The Washington Visual Double Star Catalog (Mason+ 2001-2014)“. In: VizieR On-line Data Catalog.

Messier, Charles (1781): „Catalogue des Nébuleuses & des amas d’Étoiles“. In: Connoissance des Temps. S. 227–267.

Richer, Harvey B; Fahlman, Gregory G; Ibata, Rodrigo A; u. a. (1997): „White Dwarfs in Globular Clusters: HST Observations of M4“. In: The Astrophysical Journal. 484 (2), S. 741–760, DOI: 10.1086/304379.

Samus, N N; Durlevich, O V (2009): „General Catalogue of Variable Stars (Samus+ 2007-2013)“. In: VizieR On-line Data Catalog.

Wenger, M; Ochsenbein, F; Egret, D; u. a. (2000): „The SIMBAD astronomical database. The CDS reference database for astronomical objects“. In: Astronomy and Astrophysics Supplement. EDP Sciences 143 (1), S. 9–22, DOI: 10.1051/aas:2000332.

Notes:

  1. Amas d’étoiles très-petites; aves une foible lunette on le voit sous la forme d’une nébuleuse; c’est amas d’étoiles est placé près d’Antares
  2. Cl, 8 or 10 B st line, with 5 st, rrr; = M4″

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