M35

M35 (NGC 2168) ist ein offener Sternhaufen im Sternbild Zwillinge mit der Position Rektaszension 06h 08 54s und Deklination +24d 20m 00s J2000.0 (Wu 2009, Vizier J/A+A/558/A53). Bei einer Entfernung von 1186 parsec (Pandey 2010) und einem scheinbaren Durchmesser von 42 arcmin erstreckt sich M35 mit seinen 2474 Haufensternen über 47,2 Lichtjahre (Dias 2014, Vizier J/A+A/564/A79).

M35

M35 aufgenommen mit einem Takahashi FSQ-106 Refraktor und einer SBIG STL-11000M CCD Kamera.

Ein Bild mit Anmerkungen findet sich hier.

Der Sternhaufen wurde zuerst von Philippe Loys de Chéseaux 1745-46 entdeckt und wahrscheinlich unabhängig davon auch von John Bevis vor 1750 beobachtet (Bevis 1750).

Charles Messier nahm das Objekt am 30. August 1764 in seinen Katalog auf: “Ansammlung von sehr kleinen (schwachen) Sternen nahe des linken Fußes von Castor, etwas entfernt von den Sternen µ & η dieses Sternbildes” 1 (Messier 1781).

Dreyer notierte in seinem New General Catalog, NGC 2168: “Cluster, very large, considerably rich, pretty compressed, stars from 9th to 16th magnitude” 2 (Dreyer 1888, VizieR VII/118).

Aufsuchkarte für M35. Die Karte deckt einen Bereich von etwa 40° x 17° ab. Der eingezeichnete Kreis im Zentrum hat einen Durchmesser von 5°. Es sind Sterne bis zu einer Grenzgröße von +9,0 mag eingezeichnet.

Mit einer visuellen Helligkeit von 5.09 mag und einem Durchmesser von 29’ (Becker 1961) ist M35 bei einigermaßen dunklen Himmel recht einfach mit bloßem Auge zu erkennen.

Mit meinem 4” f/9-Refraktor und 30-facher Vergrößerung sehe ich an einem hellen Stadthimmel (NELM 5,4 mag) etwa 60 Sterne grob in Form einer Pfeilspitze angeordnet. Der Sternhaufen scheint durch zwei auffällige Ketten von Sternen der 8. – 10. Größenklasse begrenzt: Ein Bogen von 8 Sternen erstreckt über etwa 10’ im nördlichen Teil von M35 und eine gerade Reihe von vier Sternen in gleichmäßigem Abstand über 20’ Länge im südlichen Teil.

Als kleines beobachterisches Bonbon liegt 25’ von M35 entfernt in Richtung Südwest der offene Sternhaufen NGC 2158. Sein scheinbarer Durchmesser beträgt allerdings nur 5’ und so wirkt er sehr viel kleiner und kompakter. Mit 8472 parsec ist er denn allerdings auch mehr als 7 mal so weit weg (Pandey 2010). Zusammen bilden die beiden ein sehr interessanten visuellen Kontrast.

Trumpler klassifizierte den offenen Sternhaufen mit III 3 r (Trumpler 1930), Ruprecht später mit III 2 m (Ruprecht 1966): Der Sternhaufen ist von dem ihn umgebenden Sternenfeld losgelöst und zeigt keine bemerkbare Konzentration, die Sterne sind mehr oder weniger dünn und annähernd gleichmäßig verstreut. Die Helligkeit der Haufensterne erstreckt sich über einen mittleren Bereich. Zu dem Sternhaufen gehören zwischen 50 und 100 Sterne. Mehr zur Trumpler-Klassifikation offener Sternhaufen findet sich hier.

Die bekannten offene Sternhaufen der Milchstrasse liegen relativ in unserer Nähe in der galaktischen Ebene oder aber nicht sehr weit davon entfernt (siehe hier). M35 bildet da keine Ausnahme (Dias 2002, VizieR B/ocl).

Die Position vom M35 (rot) innerhalb der Milchstrasse. Sonne (gelb), Zentrum der Milchstraße (schwarz), andere offene Sternhaufen (blau). Die Milchstraße wird durch einen erweiterten Kreis mit einem Durchmesser von 30 kpc angedeutet. Die x-Achse zeigt Richtung des Zentrum und die y-Achse in Richtung der Rotation der Milchstraße, die z-Achse weist auf den galaktischen Nordpol.

Anmerkung

Für die Recherche zu M35 nutzte ich unter anderem sowohl die SIMBAD Datenbank beim CDS, Straßburg, Frankreich (Wenger 2000) als auch die VizieR Datenbank ebenfalls beim CDS.

Aufsuchkarte mit freundlicher Genehmigung von Starry Night www.starrynight.com.

Links

M35 @ NED

M35 @ SEDS

M35 @ SIMBAD

M35 @ WEBDA

Literaturverzeichnis

Becker, W (1961): „Die räumliche Verteilung von 82 galaktischen Sternhaufen. Mit 5 Textabbildungen“. In: Zeitschrift für Astrophysik.

Bevis, J (1750): Uranographia Britanica. London: John Neale.

Dias, W S; Alessi, B S; Moitinho, A; u. a. (2002): „New catalogue of optically visible open clusters and candidates“. In: Astronomy and Astrophysics. EDP Sciences 389 (3), S. 871–873, DOI: 10.1051/0004-6361:20020668.

Dias, W S; Monteiro, H; Caetano, T C; u. a. (2014): „Proper motions of the optically visible open clusters based on the UCAC4 catalog“. In: Astronomy and Astrophysics. EDP Sciences 564, S. A79, DOI: 10.1051/0004-6361/201323226.

Dreyer, JLE (1888): A New General Catalogue of Nebulæ and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John FW Herschel, Bart, revised, corrected, and enlarged. Memoirs of the Royal Astronomical ….

Messier, Charles (1781): „Catalogue des Nébuleuses & des amas d’Étoiles“. In: Connoissance des Temps. S. 227–267.

Pandey, A K; Sandhu, T S; Sagar, R; u. a. (2010): „Integrated parameters of star clusters: a comparison of theory and observations“. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Oxford University Press 403 (3), S. 1491–1506, DOI: 10.1111/j.1365-2966.2009.16213.x.

Ruprecht, J (1966): „Classification of open star clusters“. In: Bulletin of the Astronomical Institutes of Czechoslovakia. 17, S. 33.

Trumpler, R J (1930): „Preliminary results on the distances, dimensions and space distribution of open star clusters“. In: Lick Observatory Bulletin.

Wenger, M; Ochsenbein, F; Egret, D; u. a. (2000): „The SIMBAD astronomical database. The CDS reference database for astronomical objects“. In: Astronomy and Astrophysics Supplement. EDP Sciences 143 (1), S. 9–22, DOI: 10.1051/aas:2000332.

Wu, Zhen-Yu; Zhou, Xu; Ma, Jun; u. a. (2009): „The orbits of open clusters in the Galaxy“. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. 399 (4), S. 2146–2164, DOI: 10.1111/j.1365-2966.2009.15416.x.

Notes:

  1. Amas de très-petites étoiles, près du pied gauche de Castor, à peu de distance des ètoiles µ & η de cette constellation
  2. Cl, vL, cRi, pC, st 9..16